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SYLVIA HAHN: Historische Migrationsforschung. Frankfurt a.M., New York: Campus, 2011. 233 S. = Historische Einführungen, 11. ISBN: 978-3-593-39398-8.
Ausgehend von der Überlegung, dass Menschen immer in Bewegung waren und ihre Mobilität dabei weder an regionalen noch nationalstaatlichen Grenzen endete, steht im Mittelpunkt der Untersuchung die Migration von sozialen Gruppen, Familien bzw. Berufsverbänden, ohne dass darüber aber die individuelle Perspektive, das Einzelschicksal aus den Augen verloren würde (S. 13).
Die Darstellung, die ein Plädoyer für die Verzahnung mikro- und makrohistorischer Untersuchungsebenen ist, besteht aus neun Kapiteln. Diese weisen eine - allerdings im Inhaltsverzeichnis nicht ausgewiesene - sehr kleinteilige Binnenstruktur mit bis zu acht Unterpunkten auf. Das erste Kapitel versucht in einem Längsschnitt von den Anfängen menschlicher Zivilisation bis in die Gegenwart die Bedeutung von Mobilität und Migration zu verdeutlichen. Dabei formuliert die ÜberschriftHomo und femina migrans eines der Kernanliegen der Verfasserin: Sie plädiert für eine genderspezifische Analyse der Migrationsvorgänge. Die Rolle der Frau, so die These, beschränkte sich keineswegs darauf, bloß an der Seite ihres Mannes mitzuziehen. Im zweiten Abschnitt werden Begriffe, Typologien, Theorien und Definitionen der Migration vorgestellt. Für ihre eigenen Ausführungen rekurriert die Verfasserin zum einen auf die Definition der Vereinten Nationen, die unter Migration einen die Grenzen eines politischen Bezirks überschreitenden dauerhaften Wohnortwechsel mit der Mindestdauer von einem Jahr versteht. Zum anderen bezieht sie sich auf den deutschen Historiker Peter Marschalck, der eine weite und eine enge Definition von Migration vorschlägt. Demnach ist unter Migration im engeren Sinne jede Ortsveränderung unter Ausschluss von Dienst-, Erholungs- oder Studienreisen, aber...