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ABSTRACT: Warum zerstörte im Jahre 409 v. Chr. ein karthagisches Heer, geführt von Hannibal Mago, dem Enkel des 480 v. Chr. vor Himera gescheiterten Generals Hamilkar, die an der Südküste Siziliens gelegene, blühende griechische Pflanzstadt Selinunt? Die Kolonie scheint sich im 5. Jahrhundert zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Handelsmärkten entwickelt zu haben. Der Reichtum Selinunts, noch heute in imposanten Tempelbauten erkennbar, konnte nicht nur einer intensiven Landwirtschaft entstammen. Neue Funde bezeugen Aktivitäten in der Metallverarbeitung, man nutzte spanisches Silber für die eigene Münzprägung und die Stadt verfügte über eine Kriegsflotte. In Selinunt muss ein bedeutender Handelssektor existiert haben, der eine der ökonomischen Grundlagen der Polis bildete.
Keywords: Selinunt - Himera - Sizilien - Karthago - Handel - Mazaros
(ProQuest: ... denotes non-US-ASCII text omitted.)
Im Jahre 409 v. Chr. wurde die blühende griechische Pflanzstadt Selinunt, an der Südküste Siziliens gelegen, von einer gewaltigen karthagischen Heeresmacht, unter dem Kommando des Hannibal Mago,2 angegriffen, erobert und gründlich zerstört.
Hannibal gab ihnen zur Antwort, die Selinuntier, die ihre Freiheit nicht zu bewahren vermochten, würden nun die Sklaverei kennenlernen; was die Götter anlange, so hätten diese, beleidigt von den Einwohnern, Selinunt verlassen. (Diod. 13, 59, 2)3
Diese Antwort sollen die syrakusanischen Gesandten bekommen haben, als sie, unmittelbar nach der Zerstörung Selinunts im Jahre 409 v. Chr., um Freigabe der Gefangenen und Schonung der Tempel baten. Es stellen sich zwei Fragen: Wie sah der Frevel aus, der in den Augen der Karthager dazu führte, dass sich die Götter aus Selinunt zurückziehen mussten? Und warum waren die Karthager so unversöhnlich, dass sie bei der Eroberung der Stadt so brutal vorgingen und sogar von den Syrakusanern angebotenes Lösegeld für die Gefangenen ausschlugen? Ganz offensichtlich stand der Profit bei dieser Aktion nicht im Vordergrund. Wir wollen im Folgenden vor allem der zweiten Frage nachgehen, denn der oben zitierte Satz Diodors macht deutlich, dass in dem karthagischen Kriegszug mehr zu sehen ist, als ein bloßer Beutezug oder eine Unterstützungsexpedition für die sizilischen Verbündeten. Sowohl die Zerstörung Selinunts als auch jene Himeras scheint eher ein Ausschalten von Konkurrenten gewesen zu sein, Konkurrenten im Streben nach der Handelsvormacht, oder doch zumindest Störfaktoren (zum Beispiel durch Piraterie) bei der Entfaltung derselben im westlichen Mittelmeer.
Die Handelsmacht Selinunt
Aufgrund mehrerer Faktoren erscheint die westgriechische Stadt Selinunt...